Wie klappt’s eigentlich ohne Turbo? Mazda3 im Alltagstest

Der Mazda3 – die japanische Antwort auf den Golf? Wir haben diesen Vertreter der Kompaktklasse im Alltagstest bewegt und geschaut ob man in der heutigen Zeit auch ohne Turbo glücklich wird. Der Mazda3 SKYACTIV-G 120 Sports-Line im Alltagstest.   

Das Kompaktwagensegment wird in Deutschland seit jeher vom Golf dominiert. Keiner verkauft hier mehr Autos als Volkswagen. Es gibt natürliche vieles was für den Platzhirsch Golf spricht und dennoch lohnt es sich nach Alternativen umzusehen. Eine davon ist der Mazda3, der vor allem durch sein Antriebskonzept andere Wege geht. Im Gegensatz zu vielen anderen setzen die Japaner nicht auf Downsizing und Turbo. Doch dazu später mehr. Neben Motor haben wir uns auch um die anderen inneren Werte des Mazda3 gewidmet und natürlich um die Verpackung.

Design

Wow, dieses Auto ist ja mal ein Blickfang. Nicht, weil es durch sein expressionistisches Design auffällt, sondern wegen der Farbe. Die Farbe unseres Testautos nennt sich Rubinrot und ist die typische Farbe, wenn es um Mazda geht. Und sie fällt auf! Gleich mehrere Male bin ich auf die Lackierung angesprochen worden. Was auf Bildern schon gut ausschaut, ist in der Realität noch eine Stufe interessanter und unterstreicht das ohnehin selbstbewusste und sportliche Auftreten. Hier wirkt alles sehr stimmig und egal von welcher Seite man das Fahrzeug betrachtet, man merkt wie viel Arbeit sich die Designer gemacht haben. Der Mazda3 trägt als zweiter Vertreter nach dem CX-5 die sogenannte KODO-Designsprache. Im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern wirkt das Außendesign sehr schlank und schnittig. Seine Proportionen mit der langen Motorhaube lassen dem Mazda3 äußerst sportlich erscheinen. Dazu passt auch die Auspuffanlage mit den beiden außen liegenden Endrohren. Vorne setzt eine V-förmige Chromleiste Akzente. Sie umfasst den Kühlergrill und zieht sich in die schmalen Scheinwerfer hinein. Tagfahrleuchten und Rückleuchten mit LED-Technik gibt es ausschließlich in der Top-Version. Genauso wie die Bi-Xenon-Scheinwerfer, die mit einer angenehmen Lichtfarbe und einer gleichmäßigen Ausleuchtung punkten. Der optionale Fernlichtassistent hat sich vor allem auf schlecht beleuchteten Landstraßen als ein besonders sinnvolles Feature herausgestellt. Eine Kamera in der Frontscheibe erkennt ob mit Fernlicht gefahren werden kann. Das automatische Umschalten zwischen Abblend- und Fernlicht funktioniert zuverlässig und schnell, so dass entgegenkommender oder vorrausfahrender Verkehr nicht geblendet wird und man stets eine gut ausgeleuchtet Fahrbahn hat.

Innenraum

So gefällig wie der Mazda3 von außen rüberkommt, ist er auch im inneren. Kein Schnickschnack, dafür ein aufgeräumtes Interieur im schlankem design. Die Fahrersicht ist besonders sportlich. Das Dreispeichen-Lederlenkrad liegt gut in der Hand und die Multifunktionstasten lassen sich ebenfalls einfach bedienen. Dahinterliegend befindet sich die Instrumentierung in Form eines großen zentral platzierten Drehzahlmessers. Die Geschwindigkeit wir digital dargestellt und wird zusätzlich auf ein Head-Up-Display projiziert. Dort erscheinen unter anderem auch Hinweise aus dem Navigationssystem und der Assistenzsysteme.

Mittig auf dem Armaturenträger befindet sich ein freistehender Monitor. Auf dem 7 Zoll großen Farbdisplay werden Navigations- und Entertainmentsystem sowie Fahrzeugeinstellungen dargestellt. Steuern lässt sich dies über eine Bedieneinheit mit einem Dreh-Drückrad, welches im Mitteltunnel platziert ist. Die Menüführung ist einfach gestaltet und man findet sich relativ schnell ohne größere Eingewöhnungszeit zurecht.

Konnektivität

Platz für guten Sound ist selbstverständlich auch im Mazda3. Neben normalem Radio über FM können auch digitale Radiosender (DAB) empfangen werden.  Die eigene Lieblingsmusik – z.B. vom Smartphone – kann per USB oder via Audio-Streaming über die 9 Lautsprecher des BOSE Sound System wiedergegeben werden. Apple CarPlay oder Android Auto gibt es nicht. Dennoch bietet der Mazda3 die Möglichkeit mit Apps wie aha oder Sticher ausgewählte Online-Inhalte über das Entertainment-System des Fahrzeugs zu nutzen.

Die Integration des eigenen Smartphones hat Mazda gut gelöst. Die Kopplung meines Android-Smartphone ging schnell und unkompliziert von statten. Persönliche Kontakte aus dem Telefonbuch lassen sich mit Vorschaubildern übertragen und auf dem Display darstellen. Praktisch: Wer seinen Kontakten auch eine Adresse zugeordnet hat, kann sich direkt dorthin navigieren lassen.

Navigationssystem

Das Navigationssystem gehört zu den wenigen aufpreispflichtigen Extras in der Sports Line. Die 690 Euro sind aber sinnvoll investiert. Für die Adresseingabe hat man mehre Möglichkeiten: Spracheingabe, Touchscreen (nur im Stand) oder über das Dreh- Drückrad. Wer sein Smartphone per Bluetooth gekoppelt hat, kann auch direkt aus dem importierten Kontakten wählen. Angenehm auch die zügige Routenberechnung sowie die übersichtliche Kartendarstellung. Größere Gebäude werden dreidimensional dargestellt, was bei der Orientierung hilft.

Übersicht

In Sachen Übersichtlichkeit zeigt sich der Mazda3 ebenfalls überraschend gut, was auch daran liegt, dass die Frontscheibe nicht weit in die Fahrzeugfront gezogen ist. Die Fahrzeugproportionen lassen sich daher gut einschätzen. Dennoch ist die Rückfahrkamera, wie sie bei den beiden höchsten Ausstattungslinien NAKAMA und unserer Sports Line gehört, praktisch und erleichtert das Rangieren und Parken in engen Lücken. Die Rückfahrkamera bietet ein scharfes Bild mit hoher Auflösung. Vom Lenkeinschlag abhängige Führungslinien werden leider nicht eingeblendet. Ebenso etwas unpraktisch ist, dass die Kamera nicht gegen Witterungseinflüsse geschützt ist. Nach einer Fahrt durch den Regen, wo die Sicht generell schwierig ist, kann es sein, dass man auf ein klares Kamerabild vom Heck verzichten muss. Für solche Fälle bleiben dann aber immer noch die gewöhnlichen Parksensoren.

Fahreindruck

Trotz seiner sportlichen Optik, fährt sich der Mazda3 eher komfortabel. Vor allem auf langen Strecken sorgt dies für entspanntes Reisen. Das Fahrwerk federt bei schlechten Straßen eine Menge weg und sorgt dafür, dass selbst größere Stöße wie bei Schlaglöchern nicht zu sehr ins Innere weitergeleitet werden. Selbiges gilt für die Lenkung, die direkt und leichtgängig arbeitet.

Geschaltet wird über ein manuelles Sechsgang-Getriebe, welches exakt arbeitet und durch kurze Schaltwege überzeugt. Wer lieber schalten lassen möchte, kann das optionale 6-stufige Automatikgetriebe für einen Aufpreis von 1.800 Euro ordern.

Beim Kraftstoffverbrauch ist ein Normwert nach NEFZ von 5,1 Litern auf 100 Kilometern angegeben. Während unseres Tests lag der Verbrauch im Schnitt bei unter 6,5 Litern. Auf einer längeren Tour mit einem hohem Autobahnanteil und einem eher niedrigeren Reisetempo (bis 120 km/h) waren Verbrauchswerte unter 6 Liter möglich. Auf schnell gefahrenen Autobahnetappen stieg er nur leicht an und lag bei etwa 6,3 und 6,5 Litern. Ein guter Wert – vor allem im Vergleich zu unserem privaten BMW 116i, den wir mehrere Male auf selbiger Route gefahren sind. Der Turbomotor genehmigte sich bei ähnlichem Fahrprofil gute 1 bis 1,5 Liter mehr auf 100 Kilometer.

SKYACTIV

Wo bei vielen anderen Herstellern sich das Downsizing bei den Motoren durchgesetzt hat – also den Hubraum zu reduzieren und eine höhere Leistung durch Turboaufladung zu generieren – geht der Mazda einen anderen Weg. Mit SKYACTIV definiert der japanische Hersteller eine Technologie, die an mehreren Bereichen des Fahrzeugs greift um es effizienter und gleichzeitig leistungsstark zu machen. Durch Einsatz von hochfesten Stählen in der Karosserie soll das Gewicht niedrig gehalten werden. Das Leergewicht des Mazda3 liegt bei 1,3 Tonnen. Der Motor kommt dank hoher Verdichtung gänzlich ohne einen Turbo aus und bietet dennoch ein kräftiges Drehmoment von 210 Newtonmetern.

Fahrerassistenzsysteme

Für den Mazda3 stehen eine Reihe elektronischer Hilfen zur Verfügung. Dazu gehört beispielsweise der Spurhalteassistent (LDWS). Das System erkennt oberhalb von 65 km/h Fahrspuren und warnt den Fahrer akustisch, wenn diese unbeabsichtigt verlassen wird. Der Spurwechselassistent (RVM) erkennt andere Fahrzeuge, die sich im toten Winkel befinden und zeigt dies dem Fahrer durch LEDs in den Außenspiegeln an.

Besonders beeindruckt hat uns das Pre Crash Safety-System mit aktivem Bremseingriff (SBS). Während einer Fahrt auf der Autobahn erkannte dieser Notbremsassistent rechtzeitig ein Stauende. Die aufleuchtenden LEDs und ein akustischer Warnton machen bei einer solchen Situation aufmerksam.  Im nächsten Schritt hätte das SBS sogar selbstständig eine Bremsung einleiten können. Ähnlich verfährt der City-Notbremsassistent (SCBS), der im Geschwindigkeitsbereich zwischen 4 und 30 km/h mit Hilfe eines Infrarot-Lasersensor mögliche Kollisionen erkennt und die Bremse vorspannt, so dass bei Betätigung der Bremse sofort voller Bremsdruck zur Verfügung steht.

Die Assistenzsysteme lassen sich über Tasten ansteuern, die sich gebündelt links neben dem Lenkrad befinden. Für den adaptiven Tempomaten gibt es zusätzlich Tasten am Lenkrad. Der gewünschte Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug lässt sich auch über das Lenkrad regulieren.

Platz und Variabilität

Ob sperrige Koffer oder der große Wocheneinkauf – der kompakte Mazda steckt eine Menge ein. Das Kofferraumvolumen beträgt 364 Liter. Bei komplett umgelegter Rücksitzbank, die sich im Verhältnis 60 zu 40 teilen lässt, sind sogar bis zu 1.263 Liter drin. Wer noch mehr Platz benötigt, kann zur Stufenheck-Variante des Mazda3 greifen. Für einen Aufpreis von 500 Euro gibt es ein Plus von 12 Zentimetern in der Außenlänge und ein Kofferraumvolumen von 419 Litern. Eine Kombi-Version gibt es nicht.

Preise

Die Listenpreise des Mazda3 beginnen bereits ab 17.690 Euro. Der Grundpreis des von uns getesteten Mazda3 SportsLine mit dem 120 PS starken Benziner beträgt 23.990 Euro. Hinzu kommen noch die Extras wie Lederausstattung (1.700 Euro), Navigationssystem (690 Euro) und die Lackierung in der Sonderfarbe „Rubinrot Metallic“ (750 Euro). Mit dem Technik-Paket, welches den Adaptiven Tempomaten, Fernlicht- und Spurhalteassistent beinhaltet, kommt nochmal 1.650 Euro hinzu. Mazda gewährt eine Garantie von 3 Jahren bis zu einer Laufleistung von 100.000 Kilometern.

Facelift: Modelljahr 2017

Der hier im Test vorgestellte Mazda3 stammt aus dem Jahr 2016. Ab dem Modelljahr 2017, welches ab sofort bestellbar ist und am 3. Februar 2017 Händlerpremiere feiert, gibt es ein paar Neuerungen. Von außen wird das aufgefrischte Modell an leicht veränderten Front- und Heckstoßfänger zu erkennen sein. Ein neues Design bekommen auch die Außenspiegel mit integrierten LED-Blinkleuchten. Erstmals sind nun adaptive LED-Scheinwerfer verfügbar. Auch der Innenraum wurde aufgewertet und soll nun deutlich hochwertiger erscheinen. Das Head-Up-Display hat nun eine farbige Anzeige mit einer höheren Auflösung. Außerdem sind neue Extras wie eine elektronische Feststellbremse oder eine Lenkradheizung verfügbar. Mehr Infos zur Modellpflege des Mazda3 findet ihr hier.

Fazit

Aller guten Dinge sind Drei: Optik, Qualität und Antrieb. Der kompakte Mazda überzeugte in unserem Alltagstest und zeigt, dass es auch sehr gut ohne Turbo geht. Sportwagenwerte darf man nicht erwartet, dafür ist der SKYACTIV-G 120 ein vernünftiger Antrieb für den Mazda3. Der durchzugsstarke 120 PS Saugmotor arbeitet effizient und braucht sich daher keinesfalls vor seinen downgesizeden Mitbewerbern zu verstecken. Das Aussehen und die Farbe sind natürlich Geschmacksache. Konzeptionell ist der Mazda3 gut durchdacht. Design und Funktionalität sind im Mazda3 harmonisch in Einklang gebracht. Und auch sonst macht der Mazda einen durchweg positiven Eindruck. Die Verarbeitungsqualität stimmt, genauso wie die unkomplizierte Fahrzeugbedienung und das gute Preis-Leistungsverhältnis.

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